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Zahnpflege im Wandel der Zeit

ArtikelbildZahnpflege ist heute selbstverständlich. Die Zahnbürste, wie wir sie kennen, gibt es erst seit rund hundert Jahren. Die alten Ägyptern hatten schon Zahnprothesen. Warum "Raspeln wir heute immer noch Süßholz" ?

Zahnpflege damals, nur ein kosmetisches Problem

Unsere heutige Zahnpflege, ist aus kosmetischen und medizinischen Gesichtspunkten nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken.
Wie sah es aber bei unseren Vorfahren aus?
Pflegten sie ihre Zähne und wenn ja, wie und warum?

Die Anfänge

Es ist überliefert, dass die Ureinwohner von Südamerika oder Afrika kleine Stöckchen wie Zahnstocher benutzten um grobe Essensreste zu entfernen. Danach zerkauten sie ein Ende des Stöckchens. So reinigten sie mit dem zerfaserten Ende ihr Gebiss.
Später wurde Süßholz ( Lakritz ) gekaut. Das Süßholz war eine kleine "Nascherei". Mit dem angenehmen süßlichen Geschmack und Geruch übertünchte man den bestialischen Mundgeruch und mit dem Süßholzhölzchen entferne man, genauso wie es schon die Ureinwohner taten Essensreste.
Hier hat auch das Sprichwort Süßholz raspeln seinen Ursprung.

Die alten Ägypter

Bei Ausgrabungen im alten Ägypten fand man Zahnersatz aus Rinderknochen. Weiterhin fand man in Schädeln lockere Zähne die mit einem kleinen Golddraht an den anderen befestigt waren. Die ersten Anzeichen auf Zahnprothesen.
Auf die vorbeugende Mundhygiene wurde wohl nicht viel Wert gelegt. Kosmetisch, also optisch, war man bestrebt ein angenehmes Bild seinem Gegenüber zu präsentieren.

Der Islam

Im Islam hatte die Zahnreinigung ursprünglich einen religiösen Charakter. Mohammed trug schon früh dazu bei, dass sich die Zahnreinigung in der islamischen Welt schnell verbreitete. Er nahm die Zahnreinigung als eine rituelle, religiöse Handlung, des Islams auf.

Im alten Rom

Bei den alten Römer, glaubte man bei Zahnschmerzen, diese dem Zahnwurm zu verdanken.
Dieser, im Schlamm geborener Wurm, fraß nach damaliger Auffassung, den Zahn von innen auf und verursachte die Schmerzen.
Mundspülungen mit Minze und Natron waren weit verbreitet. Aber auch ungewöhnliche Zusätze erfreuten sich großer Beliebtheit, zum Beispiel mit der Asche verbrannter Mäuseköpfe wurde die Zahnreinigung im alten Rom durchgeführt.
So gab es in vielen Kulturen ungewöhnliche Mundspülungen und Pflegemittel.

Das Mittelalter

Im europäischen Raum war, besonders im Mittelalter, die Zahnpflege kein Thema mehr.
Die Bauern und armen Leute starben in recht jungen Jahren und sie nahmen bis auf Fruchtzucker nichts Süßes zu sich.
Dadurch blieben sie weites gehend vor Karies, mit dessen Schmerzen verschont.
Die Adeligen halfen sich mit Mundwässer und dem Finger. Wenn ein Zahn schmerzte wurde er meist von den kräuterkundigen Frauen oder Scharlatanen gezogen. Man betrachtete nicht nur Krankheiten, sondern auch Zahnleiden als eine Strafe Gottes.
Im Spätmittelalter betete man bei Zahnschmerzen zur heilige Apollonia ( Schutzheilige der Zahnleiden ).

So wurde die Zahnpflege früher nur kosmetisch betrachtet und wenn die Schmerzen dann so schlimm waren, wurden die Zähne unter großen Schmerzen gezogen. Vorbeugen und Zahnpflege waren ein Fremdwort. So kam es häufig vor, dass schon bei 20jährigen eine beachtliche Menge an Zähnen fehlte.

Der erste Ratgeber für die Mund - und Zahnpflege

Im Jahre 1239 schrieb der Dichter und Mediziner Johannes de Mediolano einen Ratgeber über die Mund und Zahnpflege. Darin zu finden ist der weise Spruch:

„ Reinige deine Zähne und halte sie sauber.
Nichts ist so hässlich, als wenn du plapperst  oder lachst
und man unter deinem Hut rabenschwarze Zähne sieht,
die dir einen schlechten Atem geben.“

Die Revolution aus China

Im Jahre 1498 verbreitete sich eine chinesische Erfindung auch in Europa.
Diese, aus Wildschweinborsten gefertigte Zahnbürste war aber zunächst nur dem Adel vorbehalten. Über 250 Jahre sollte es noch dauern, bis erkannt wurde, dass die regelmäßige Zahnpflege notwendig war.

William Addis gründete 1780 in Frankreich die erste Firma zur Herstellung von Zahnbürsten.
Bei diesen ersten Massenzahnbürsten wurden der Griff aus Knochen und die Borsten aus den Haaren des Kuhschwanzes gefertigt.
Die Bürstenherstellung war zu dieser Zeit ein Kunsthandwerk. Die Zahnbürsten waren sehr zierlich und kunstvoll.
Die massenhafte Verbreitung gelang erst mit der Erfindung des Nylons.
In den vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts konnten erstmalig die Zahnbürsten mit Nylonborsten hergestellt werden.
So ist es wohl den Chinesen als auch William Addis zu verdanken, dass wir heute bequem zur Zahnbürste greifen können.

Foto(s): Landschaftsverband Westfalen Lippe - lwl.org

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